Sonntag, 30. September 2012


Camelot Club Shibuya

Let's get the party started...Das erste Wochenende in Kodaira war unbeschreiblich toll! 

Freitag Abend haben wir uns das erste Mal ein bisschen an die Japanische Party Kultur rangetastet. Wir haben den Abend mit Sake und Pflaumenwein eingeläutete und sind dann ganz in der Nähe unseres Wohnheim Karaoke singen gegangen. Karaoke in Japan funktioniert ganz anders als in Deutschland. Man mietet für mehrere Stunden einen Raum mit einer Karaoke Maschine und ist nicht einem Publikum ausgesetzt.
Von den neusten Hits zu alten Klassikern wie "Ring of Fire" von Jonny Cash bis hin zu japanischen Popsongs haben wir alles ausprobiert und oft mehr oder weniger richtig, aber immer mit voller Begeisterung gesungen. Es gab sogar ein paar Gänsehaut Momente mit Robbie Williams, Jason Mraz und natürlich Michael Jackson.




Lost in Translation...


Ich hatte Anfang des Abends noch Probleme mit den japanischen Songs, die Lyrics erscheinen zwar nicht nur in Kanji sondern auch in Hiragana, aber das Tempo der Lieder hat mein Lesetempo um einiges übertroffen. Gegen Ende des Abends wurde es deutlich besser, so dass man Karaoke singen fast unter japanisch lernen verbuchen kann:-)

Den Samstag habe ich sehr entspannt begonnen und ein paar Haushaltssachen erledigt wie z.B. Wäsche zu waschen. Auch wieder eine kleine Herausforderung, da es natürlich nur japanische Anleitungen gibt! Den Startknopf habe ich noch alleine gefunden aber bei den Einstellungen musste mir dann doch meine Mitbewohnerin helfen.
Zusätzlich haben wir Samstag mehr oder weniger gute Nachrichten vom Studienbüro der Hitotsubashi bekommen: Da ein Taifun auf Tokyo zukommt kann es sein, dass am Montag alle Kurse ausfallen. Allerdings haben wir wahrscheinlich nicht soviel davon, weil wir ja bei einem Taifun schlecht Sighseeing in Tokyo machen können, sondern den ganzen Tag drinnen bleiben sollten.
Ich bin vorsichtshalber noch mal einkaufen gegangen und habe mich mit ein paar Vorräten eingedeckt. Supermärkte hier sind super cool, es gibt unendlich viele Dinge die für mich nicht identifizierbar sind, aber alles was ich interessant finde, wird gekauft und getestet!



Samstag Abend sind wir schließlich in einer kleinen Gruppe nach Shibuya gefahren um dort das Nachtleben zu erkunden. Man fährt mit dem Zug ungefähr 50 min bis Shibuya, aber die Zeit geht erstaunlich schnell rum! Und der Unterschied zwischen unserem kleinen Bahnhof in Kodaira und dem Platz vor dem Bahnhof in Shibuya könnte nicht größer sein!
Wir haben es noch geschafft rechtzeitig zur Happy Hour in einen Club zu kommen so dass wir Mädchen nichts bezahlt haben und die Jungs zwar 1000 Yen Eintritt bezahlt haben (ca. 10€) aber dafür zwei Freigetränke à 500 Yen erhalten haben. 
Der Club hatte zwei Floors und etwas was ich in Deutschland noch nie gesehen habe: Ladies only Areas! Es gab mehrere Bereiche mit Tischen und Sofas, in denen sich nur Frauen aufhalten durften. 


Im Vergleich zu den Clubs in Mannheim geht in Tokyo alles sehr viel geordneter zu. Man stellt sich vor der Bar artig in eine Schlange, was Sinn macht, weil man so wirklich schneller bedient wird, als wenn man versucht sich in einem Pulk nach vorne zu drängen. 
Zusätzlich sind es hier nicht die Frauen die vor der Toilette Schlange stehen, sondern die Männer! Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal erleben würde!
Die Stimmung war großartig! Obwohl es erst 23 Uhr war, war die Tanzfläche voll. Das Publikum war sehr gemischt, von Männern in Business Outfit zu Mädchen im Gothic Look, Leute im Kimono oder Schulmädchen Look. Dazu Europäer die alle anderen um zwei Köpfe überragt haben und wir! 
Die Musik bestand größtenteils aus den neusten koreanischen Hits. Wir haben natürlich nichts verstanden aber das hat niemanden davon abgehalten die Lyrics mit zu singen. Andersherum waren wir bei den englischen Songs textsicherer.

New Friends!

Die Leute sind alle wahnsinnig aufgeschlossen, machen Fotos mit dir und verhalten sich, als würde man sich ewig kennen. Sie sind alle einfach süß! Machen einem Komplimente ohne Ende und man kann wirklich Spaß mit ihnen haben. Wahrscheinlich könnte man ganz alleine in einem Club hier feiern gehen und innerhalb von einer Viertel Stunde hätte man mindestens 10 neue Freunde gefunden.
Da einige von uns irgendwann vor Hunger schier umgekommen sind haben wir uns aufgeteilt und einige sind noch geblieben während sich andere auf die Suche nach etwas zu Essen gemacht haben. 
Ich hätte das ein paar Stunden vorher nicht für möglich gehalten, aber es kann in Shibuya sogar fast still sein! Die riesige Kreuzung vor dem Bahnhof war leer und für Tokyo Verhältnisse erstaunlich wenig Menschen auf den Straßen. Aber dafür umso mehr schlafende Leute die wohl den einen oder andern Drink zu viel intus hatten...

Wir wurden von einer sehr namenhaften Fast Food Kette leider enttäuscht, da erhält man nachts nur Getränke und nichts zu essen, aber zum Glück gibt es Convenience Stores! Und da kriegt man rund um die Uhr ein warmes Essen, einfach wunderbar!
Auf dem Weg zurück nach Kodaira war der Zug schon erstaunlich voll. Manche Leute waren schon wieder unterwegs, andere waren auf dem Weg nach Hause und als wir endlich aus dem Zug gestiegen sind, war es helllichter Morgen. 



Verwaistes Shibuya...
Jetzt ist der Sonntag fast vorbei und der Taifun kündigt sich langsam an. Es regnet in Strömen! Mal sehen ob morgen die Kurse ausfallen, ich werde lieber sicherheitshalber gleich noch ein bisschen japanisch lernen für den Fall, dass wir morgen trotzdem Kurse haben...

Freitag, 28. September 2012

Happy in Japan-endlich richtig angekommen
Am Montag konnte ich mich endlich auf den Weg zu meinem Wohnheim machen. Ich bin früh morgens mit meinem ganzen Gepäck einmal quer durch Tokyo gefahren, was eine ziemliche Tortur war, da es an manchen Stationen weder eine Rolltreppe noch einen Fahrstuhl haben. Zum Glück sind die Japaner so unfassbar hilfsbereit, alleine hätte ich meinen Koffer nicht die unzähligen Treppen hoch und herunter tragen können.
Mein Wohnheim liegt in Kodaira und ist drei Bahnstationen vom Campus der Hitotsubashi Universität in Kunitachi entfernt.


Mein Zimmer
Nach einer Woche Leben im Hostel war es wunderbar, in sein eigenes Zimmer kommen, auch wenn dieses Zimmer sehr klein ist. Klein aber fein!
Es leben immer sechs Studenten zusammen in einer Wohnung mit großer Wohnküche, Duschen und Balkon. Dazu hat jeder sein eigenes Zimmer, ebenfalls mit kleinem Balkon, Kühlschrank und Klimaanlage:-)
In meinem Appartment leben noch ein Mädchen aus Taiwan und eine aus Korea, so dass im Moment drei Zimmer leer sind. Mal sehen, ob noch Studenten kommen oder ob wir zu dritt bleiben.


Unsere Küche

Mein Schreibtisch
Abends gab es dann den ersten Welcome von Seiten der Uni und wir Austauschstudenten haben uns alle kennen gelernt. Alle sind super nett, es sind erstaunlich viele Deutsche hier- sogar Studenten aus Heidelberg-und ansonsten Studenten aus allen Teilen dieser Welt.
Wir haben diese Woche jeden Abend miteinander verbracht und uns besser kennen gelernt und wir hatten schon soviel Spaß miteinander!





Dienstag Morgen sind wir alle zusammen das erste Mal zum Campus der Uni gefahren und wurden dort eingeführt. Der Campus der Hitotsubashi ist wunderschön angelegt, mit vielen Bäumen, Bänken, Sportplätzen und einem kleinem Wald. 
Die Orientation wurde in zwei Sprachen angeboten, englisch und japanisch. Ich bin natürlich bei der englischen geblieben...
Mittags wurden wir in Kleingruppen eingeteilt und von japanischen Kommilitonen zum Essen ausgeführt. Wir sind nicht wie die meisten Gruppen in die Cafeteria der Uni gegangen, sondern in ein kleines Lokal, was riesige und wahnsinnig leckere Portionen Curry serviert hat. Einfach köstlich! 
Das gute Essen hat mich zum Glück auch ein bisschen abgelenkt, denn gleich nach dem Essen musste ich meinen Einstufungstest für japanisch machen. Es war einfach frustrierend! Bis ich verstanden hatte, was die jeweilige Aufgabenstellung von mir verlangte, war die Zeit schon halb abgelaufen und ehe ich es mir versah, hat mir jemand die Aufgabenstellung weggenommen und eine neue hingelegt. Ich war sehr froh, als die Zeit um war und ich war mir sicher, noch mal ganz von vorne anfangen zu müssen.

Erster Lunch in der Mensa
Martins erste Kanji
Motivation pur- nächtliche Japanisch Sessions

Nachdem der offizielle Teil geschafft war, sind wir zu einem Home Store gefahren, um Bettzeug und andere Sachen zu besorgen. Manche Appartments hier sind küchentechnisch hervorragend ausgerüstet, wir hatten leider nicht einmal einen Wasserkocher, aber immerhin diesen Mangel habe ich behoben. 

Mittwoch Nachmittag wurden wir dann offiziell hier in Kodaira begrüßt und uns wurden hauptsächlich die Regeln erklärt. Diese Orientierung fand auf japanisch statt, aber immerhin hatten wir englische Informationen, so dass ich dem Vortrag erstaunlich gut folgen konnte.
Unter anderem ging es auch um die Internet Verträge, die jeder Student für sich selbst abschließen sollte. Ich hätte damit gerechnet, dass es Wochen dauert, bis mein WLAN hier installiert wird, aber ich habe sofort das ganze Equipment bekommen und abends wurde es dann auch schon freigeschaltet.

Gestern haben wir die Resultate unserer Einstufungstest erhalten und ich habe es erstaunlicherweise in Level 4 von 5 geschafft. Mal sehen ob ich den Kurs schaffe oder ob ich freiwillig in Level 3 gehe. Dazu gab es noch mal eine extra Fächer spezifische Orientation. Die Menschen hier stellen wirklich sicher, dass man nichts verpasst und alles versteht, jedes kleine Detail wird einem fünfmal erklärt.
Eine der größten Herausforderungen war die Registrierung in der City Hall in Kodaira und die Eröffnung eines Bank Kontos, weil man beide Male sehr viel Papierkram erledigen musste. Dafür kann ich jetzt meine Adresse hier perfekt in Kanji schreiben! Außerdem kümmern sich sehr viele Freiwillige darum, dass wir Internationals uns zurecht finden und alles richtig machen.
Lots of paperwork!

Mobiles Röntgen auf dem Campus
Heute Nachmittag haben wir dann das letzte Hindernis gemeistert: den Gesundheitscheck der Uni. Wir wurden durch verschiedene Stationen durchgeschleust: Größe, Gewicht, Urinprobe, Sehtest, Blutdruck, Psychologischer Fragebogen und Lungenröntgen. Es war die reinste Massenabfertigung! Perfekt organisiert, schnell und effektiv. 

Nächsten Montag beginnen die Kurse und wir haben zwei Wochen Zeit uns in jeden Kurs reinzusetzen bis wir uns auf welche festlegen. Die Professoren hier nennen das "class-shopping". Ich bin vor allem gespannt auf meinen Japanisch Kurs!

Und hoffentlich habe ich bald ein Fahhrad! Die Studenten die auf dem Campus wohnen bekommen alle ein Rad zur Verfügung gestellt und wir leider nicht. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich bald mit dem Rad zur Uni fahren kann:-)

Sonntag, 23. September 2012

Fuji-san in der Abenddämmerung

Nach zwei wunderbaren Tagen in Kawaguchiko am Berg Fuji bin ich heute wieder zurück in Tokyo.
Fuji-san, wie die Japaner ihn nennen, ist eine wahre Diva von Berg. Als ich Freitag Morgen in Kawaguchiko ankam, hat er sich vollkommen in die Wolken gehüllt und man konnte nur erahnen, wo sich der Gipfel befindet. In der Hoffnung, dass der Himmel aufreißt, bin ich einmal um den See von Kawaguchiko gelaufen. Die Gegend dort ist wunderschön und die umliegenden Wälder haben etwas so märchenhaftes an sich, dass man erwartet gleich um die Ecke eine Fee oder ein anderes Fabelwesen zu treffen. 
Feen habe ich leider nicht getroffen, aber dafür die Bremer Stadtmusikanten:-)

Fuji-san hat sich aber leider nicht blicken lassen und so bin ich irgendwann in mein wunderschönes Hostel direkt am See zurück gekehrt.
Am späten Nachmittag hat man dann gemerkt, dass der Himmel doch noch aufreißt, also habe ich mir meine Sachen geschnappt und bin wieder zum See gerannt. Zu sehen wie sich die Wolken verziehen, war der reinste Nervenkitzel! Aber schließlich, kurz nach Sonnenuntergang, war die Spitze frei und man konnte den Berg sehen. Der Anblick war einfach atemberaubend!

Lake Kawaguchiko 

Sonnenuntergang in Kawaguchiko

Ursprünglich hatte ich vor, ganz auf den Gipfel des Berges zu steigen, aber die Busfahrpläne zum Ausgangspunkt des Trails haben diesen Plan leider zu Nichte gemacht. Dadurch dass am 31. August die Saison geendet hat, sind kaum noch Busse gefahren und ich hätte innerhalb von sieben Stunden auf den Gipfel und wieder absteigen müssen. Da man alleine für den Aufstieg fünf bis sechs Stunden rechnen soll, kam mir dieses Vorhaben ein Stückchen zu ehrgeizig vor.
Nichtsdestotrotz bin ich am nächsten Morgen früh aufgestanden und habe den Bus zum Fuji genommen.
Als der Bus an der Endstation gehalten hat, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Mitten auf dem Berg, auf einer Höhe von 2400. befindet sich nämlich ein kleines Shopping Paradies! Das war ein Trubel! 
Ich bin dem erst mal entflohen und habe mich auf den Weg gemacht. Leider war es wieder sehr neblig und kalt, sodass man weder ins Tal, noch zum Gipfel sehen konnte. Der Weg führt erst durch einen kleinen Wald und dann wird man über angelegte Treppen zur sechsten Station geführt. (Insgesamt gibt es zehn Stationen, die fünfte ist Ausgangspunkt für Wanderer)

Blick ins Tal



Hinter der sechsten Station beginnt der eigentliche Aufstieg, hier geht nichts mehr ohne Kletterschuhe und ab dort sieht man auch keine Menschen mehr in Flip Flops oder High Heels...
Der Weg wird zu einem sehr steilen Klettersteig und sich dort hoch zu arbeiten ist wirklich anstrengend. Zusätzlich wird es immer kälter und man ist überhaupt nicht windgeschützt. Ich habe es bis zur achten Station geschafft, wenn ich weitergegangen wäre, hätte ich den letzten Bus verpasst. Es gibt auch die Möglichkeit auf dem Gipfel zu übernachten, aber dafür sollte man Monate im voraus eine Reservierung tätigen.
Klettersteig

Mt. Fuji 7th Station-kurze Pause
Auf dem Weg nach oben habe ich übrigens einen Japaner mit sehr guten Deutschkenntnissen getroffen! Er war zwei Jahre Gastwissenschaftler an der Universität Würzburg und hat am Goethe Institut in Mannheim Deutsch gelernt! Er war richtig traurig, dass ich nicht bis zum Gipfel gehe und ich musste ihm versprechen wiederzukommen und dann oben zu übernachten. Dieses Versprechen habe ich ihm sehr gerne gegeben, da ich es auch sehr schade fand, nicht auf den Gipfel zu kommen. 
Da ich den Weg zurück zur fünften Station schier gerannt bin, hatte ich noch ein bisschen Zeit mich dort in den Geschäften umzusehen. Verkauft werden dort alle möglichen Andenken zum Fuji, es gibt Pralinen, Anhänger, Tee, jede Menge Glitzerkram und natürlich Poster.
Einkausparadies-

und vollkommene Stille
Was mich wieder sprachlos gemacht hat war, dass direkt hinter den Geschäften ein Tempel liegt. Konsumrausch und Geistliches existieren in diesem Land friedlich direkt nebeneinander. 

Zurück in Kawaguchiko habe ich Abends den Bus nach Tokyo genommen. Das war ein richtiger Überlandbus für den man eine Reservierung braucht und der technisch natürlich super ausgestattet ist. Tokyo kam mir nach den zwei Tagen in der Natur noch mal viel größer und urbaner vor, als es sowieso schon ist und in Shinjuku auszusteigen, umgeben von Leuchtreklame, Wolkenkratzern und Menschenmassen war ein kleiner Schock. 

Obwohl ich es nicht ganz auf den Gipfel geschafft habe, war der Trip aufs Land wunderschön! Die Umgebung um den Fuji ist so märchenhaft und ruhig und es war schön noch mal rauszukommen und ein anderes Japan als das in Tokyo zu erleben!

Morgen verlasse ich mein Hostel in Asakusa und mache mich auf den Weg zur Hitotsubashi Universität. Damit beginnt dann wohl bald der "Alltag" für mich, aber ich freue mich unheimlich darauf!

Donnerstag, 20. September 2012




Alt und neu auf Augenhöhe: Tokyo Sky Tree und Asakusa Tempel


Die ersten zwei Tage in Tokyo...

Wo soll man da nur anfangen? Sich alleine in dieser riesigen Stadt zurecht zu finden und irgendwo mit dem entdecken anzufangen war wahrscheinlich die größte Herausforderung gestern.
Ich bin dem Rat meines klugen Reiseführers gefolgt und mit der Yamanote Linie einmal um die innersten Stadtbezirke herumgefahren. Da der Zug jedoch brechend voll war, bin ich an der ersten Station ausgestiegen, die mir zumindest bekannt vorkam: Shibuya.
Wer schon einmal in Shibuya war, weiß dass es auf den ersten Blick eine Überforderung sämtlicher Sinne ist. Ich wusste das nicht. Bis gestern morgen. 
Direkt hinter dem Bahnhof von Shibuya tritt man auf die angeblich meist gefilmte Kreuzung der Welt. Ich kann nur sagen, dass ich noch nie so viele Menschen gleichzeitig auf einem Zebrastreifen gesehen habe. Es ist ein absolut nicht nachlassender Strom an Menschen, die begleitet zu der Musik die aus verschiedenen Lautsprechern hallt, über die Kreuzung hasten und zwischen den Hochhäusern verschwinden. Shibuya selbst ist wahnsinnig bunt, laut und trendy. Letzteres ist kein Wunder, denn in den verschiedenen Kaufhäusern werden die verrücktesten Dinge lautstark von intensiv geschminkten Verkäuferinnen feil geboten. Auch hier wird man durchgehend von der neusten Musik beschallt, es läuft Pitbull neben Taylor Swift und David Guetta. 


Shibuya




Nach dieser Reizüberflutung wollte ich erstmal ein bisschen zur Ruhe kommen und bin nach Harajuku weiter gefahren um mir den Meji Schrein anzusehen, welcher den Seelen des Meji-tenno und seiner Frau gewidmet ist. In Harajuku bin ich erst mal in die falsche Richtung gelaufen und wieder in einem bunten Trubel von Menschen       und Straßen gelandet, aber schließlich habe ich es geschafft zum Eingang des Schreins zu gelangen. Es war, als würde man in eine komplett andere Welt abtauchen. Auf einmal war es still und ich bin auf Kieswegen durch einen dichten Wald gelaufen.
Der Schrein selbst ist unheimlich majestätisch. Auch wenn man als Europäer wenig bis gar nichts vom Shintoismus versteht, wird man von der Anlage berührt. 
Ich habe vor dem Betreten die rituelle Waschung von Händen und Mund durchgeführt, die einem glücklicherweise auch auf Englisch erklärt wird, trotzdem hatte ich Angst etwas falsch zu machen und ich sah bestimmt auch sehr unbeholfen aus...

Waschen ist Pflicht!

Meji Schrein



Blick über Tokio (es war 18:30 und schon stockdunkel)

Nach Sonnenuntergang bin ich weiter nach Shinjuku gefahren um dort noch einen gratis Abstecher auf das Dach des Rathaus von Tokio zu machen. Es hat zwar etwas gedauert, bis ich den richtigen Aufzug gefunden habe, aber die Aussicht aus dem 45. Stock des Gebäudes war unglaublich! Ein endloses Lichtermeer liegt einem zu Füßen und durch die Straßen wuselt der Verkehr.





Mein Hostel liegt in einem der traditionsreichsten Bereiche von Tokyo und die Wiege der Edo-Kultur: Asakusa. Nur fünf Minuten zu Fuß entfernt liegt der Asakusa-Kannon Tempel. Man läuft durch das erste Tor des Tempels durch eine sehr belebte Einkaufsstraße auf den Tempel zu und wieder gelangt man von einer unglaublichen Lärmkulisse an einen Stillen, fast meditativen Ort.



Von Asakusa aus bin ich durch die Straßen nach Ueno gelaufen um mich mal mehr mit dem Stadtbild Tokyos vertraut zu machen, was jedoch nicht sehr einfach ist, da es sich schier an jeder Ecke ändert. 
Als ich mich von Asakusa aufmachen wollte und erst mal die Straßenkarte konsultiert habe, wurde ich sofort von zwei hilfsbereiten Mädchen angesprochen, die mir den Weg gezeigt haben. Es scheint mir, als sei es nicht möglich, sich in Tokyo zu verlaufen, die Menschen gehen sofort auf jeden zu der hilflos in der Gegend steht.
Asakusa-Kannon Tempel (Sensoji)
In Ueno gibt es einen wunderschönen Park, der viele Museen Tokios beherbergt. Ich habe es bis jetzt nur ins Tokyo National Museum geschafft, aber ich habe ja noch bis Februar Zeit.
Direkt neben dem Bahnhof von Ueno kann man in engeren Fußgängerzonen dem Straßenverkehr entwischen und sich von der Masse durch die verschiedensten Marktstände treiben lassen.
Besonders die Fischhändler machen aus ihrem Verkaufsangebot eine regelrechte Show und jeder wird angesprochen.


Markt in Ueno
Tokyo überrascht einen ständig neu, besonders das Verhältnis zwischen lärmenden Massen, Leuchtreklame und Verkehrslärm gegenüber Stille und weitläufigen Parkanlagen ist faszinierend. Es ist als könnte man immer wieder in eine andere Welt eintauchen.











Garten am Asakusa-Kannon Tempel