Sonntag, 23. September 2012

Fuji-san in der Abenddämmerung

Nach zwei wunderbaren Tagen in Kawaguchiko am Berg Fuji bin ich heute wieder zurück in Tokyo.
Fuji-san, wie die Japaner ihn nennen, ist eine wahre Diva von Berg. Als ich Freitag Morgen in Kawaguchiko ankam, hat er sich vollkommen in die Wolken gehüllt und man konnte nur erahnen, wo sich der Gipfel befindet. In der Hoffnung, dass der Himmel aufreißt, bin ich einmal um den See von Kawaguchiko gelaufen. Die Gegend dort ist wunderschön und die umliegenden Wälder haben etwas so märchenhaftes an sich, dass man erwartet gleich um die Ecke eine Fee oder ein anderes Fabelwesen zu treffen. 
Feen habe ich leider nicht getroffen, aber dafür die Bremer Stadtmusikanten:-)

Fuji-san hat sich aber leider nicht blicken lassen und so bin ich irgendwann in mein wunderschönes Hostel direkt am See zurück gekehrt.
Am späten Nachmittag hat man dann gemerkt, dass der Himmel doch noch aufreißt, also habe ich mir meine Sachen geschnappt und bin wieder zum See gerannt. Zu sehen wie sich die Wolken verziehen, war der reinste Nervenkitzel! Aber schließlich, kurz nach Sonnenuntergang, war die Spitze frei und man konnte den Berg sehen. Der Anblick war einfach atemberaubend!

Lake Kawaguchiko 

Sonnenuntergang in Kawaguchiko

Ursprünglich hatte ich vor, ganz auf den Gipfel des Berges zu steigen, aber die Busfahrpläne zum Ausgangspunkt des Trails haben diesen Plan leider zu Nichte gemacht. Dadurch dass am 31. August die Saison geendet hat, sind kaum noch Busse gefahren und ich hätte innerhalb von sieben Stunden auf den Gipfel und wieder absteigen müssen. Da man alleine für den Aufstieg fünf bis sechs Stunden rechnen soll, kam mir dieses Vorhaben ein Stückchen zu ehrgeizig vor.
Nichtsdestotrotz bin ich am nächsten Morgen früh aufgestanden und habe den Bus zum Fuji genommen.
Als der Bus an der Endstation gehalten hat, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Mitten auf dem Berg, auf einer Höhe von 2400. befindet sich nämlich ein kleines Shopping Paradies! Das war ein Trubel! 
Ich bin dem erst mal entflohen und habe mich auf den Weg gemacht. Leider war es wieder sehr neblig und kalt, sodass man weder ins Tal, noch zum Gipfel sehen konnte. Der Weg führt erst durch einen kleinen Wald und dann wird man über angelegte Treppen zur sechsten Station geführt. (Insgesamt gibt es zehn Stationen, die fünfte ist Ausgangspunkt für Wanderer)

Blick ins Tal



Hinter der sechsten Station beginnt der eigentliche Aufstieg, hier geht nichts mehr ohne Kletterschuhe und ab dort sieht man auch keine Menschen mehr in Flip Flops oder High Heels...
Der Weg wird zu einem sehr steilen Klettersteig und sich dort hoch zu arbeiten ist wirklich anstrengend. Zusätzlich wird es immer kälter und man ist überhaupt nicht windgeschützt. Ich habe es bis zur achten Station geschafft, wenn ich weitergegangen wäre, hätte ich den letzten Bus verpasst. Es gibt auch die Möglichkeit auf dem Gipfel zu übernachten, aber dafür sollte man Monate im voraus eine Reservierung tätigen.
Klettersteig

Mt. Fuji 7th Station-kurze Pause
Auf dem Weg nach oben habe ich übrigens einen Japaner mit sehr guten Deutschkenntnissen getroffen! Er war zwei Jahre Gastwissenschaftler an der Universität Würzburg und hat am Goethe Institut in Mannheim Deutsch gelernt! Er war richtig traurig, dass ich nicht bis zum Gipfel gehe und ich musste ihm versprechen wiederzukommen und dann oben zu übernachten. Dieses Versprechen habe ich ihm sehr gerne gegeben, da ich es auch sehr schade fand, nicht auf den Gipfel zu kommen. 
Da ich den Weg zurück zur fünften Station schier gerannt bin, hatte ich noch ein bisschen Zeit mich dort in den Geschäften umzusehen. Verkauft werden dort alle möglichen Andenken zum Fuji, es gibt Pralinen, Anhänger, Tee, jede Menge Glitzerkram und natürlich Poster.
Einkausparadies-

und vollkommene Stille
Was mich wieder sprachlos gemacht hat war, dass direkt hinter den Geschäften ein Tempel liegt. Konsumrausch und Geistliches existieren in diesem Land friedlich direkt nebeneinander. 

Zurück in Kawaguchiko habe ich Abends den Bus nach Tokyo genommen. Das war ein richtiger Überlandbus für den man eine Reservierung braucht und der technisch natürlich super ausgestattet ist. Tokyo kam mir nach den zwei Tagen in der Natur noch mal viel größer und urbaner vor, als es sowieso schon ist und in Shinjuku auszusteigen, umgeben von Leuchtreklame, Wolkenkratzern und Menschenmassen war ein kleiner Schock. 

Obwohl ich es nicht ganz auf den Gipfel geschafft habe, war der Trip aufs Land wunderschön! Die Umgebung um den Fuji ist so märchenhaft und ruhig und es war schön noch mal rauszukommen und ein anderes Japan als das in Tokyo zu erleben!

Morgen verlasse ich mein Hostel in Asakusa und mache mich auf den Weg zur Hitotsubashi Universität. Damit beginnt dann wohl bald der "Alltag" für mich, aber ich freue mich unheimlich darauf!

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