Samstag, 17. November 2012

着物試着-Kimono Fitting




Donnerstag Nachmittag durften die 15 Teilnehmer des Explore Japan Seminars in traditionelle japanische Gewänder schlüpfen. Einen Kimono anzuziehen erfordert einiges an Aufwand, deswegen haben wir schon früher als der eigentlich Unterricht angefangen und hatten zudem ein ganzes Helferteam zur Seite.


Unser Helferteam 
Mein Kimono
Es ging los mit der Qual der Wahl. Die freiwilligen Helfer hatten eine Auswahl an verschiedenen wunderschönen Kimonos mitgebracht und alle durften sich einen aussuchen. Alle außer Cici und ich. Sie weil sie die Kleinste von uns war und ich weil ich die Größte war. Ich war darüber allerdings nicht unglücklich, denn die Auswahl wäre mir sehr schwer gefallen und mein Kimono hat mir wirklich gut gefallen.
Wir wurden nicht nur eingekleidet, wir haben auch die Haare frisiert bekommen. Insofern ist eine ganze Horde von Frauen durch den Raum gewuselt und hat sich darum gekümmert, dass wir alle perfekt hergerichtet wurden.
Wir haben damit begonnen uns passende Socken auszusuchen. Die Socken nennen sich Tabi, sind knöchelhoch und haben einen abgetrennten Bereich für die große Zehe , so dass man bequem die traditionellen Schuhe- Zori- tragen kann, welche unseren Flipflops ähnlich sind.
Während einige von uns erst frisiert wurde, wurden andere erst eingekleidet. Wir alle bekamen die Haare hochgesteckt und dann auf verschiedenste Art und Weise geschmückt. Ich hatte Blumen, Perlen und Pailettenschnüre in meinen Haaren. 

Einen Kimono anzuziehen erfordert mindestens einen, besser zwei Helfer und alleine der Prozess des Anziehens ist unglaublich kunstvoll. Ein Kimono besteht aus mindestens zwölf verschiedenen Stücken, welche ineinander gefaltet und gewickelt werden. 
Man schlüpft erst ein ein schlichtes weißes Unterkleid, wie eine Art langes Nachthemd. Dann zieht man ein anderes Gewand über, welches schon die langen Ärmel hat, welche bis knapp über den Boden reichen. Man muss übrigens fast die ganze Zeit die Arme ausgestreckt halten, insofern ist das nebenher ein richtiges Workout! Am Kragen des Übergewands wird Watte oder ein weicher Schaumstoff befestigt und dann wird man eingeschnürt. Es gibt verschiedene Bänder, die in einer festen Reihenfolge gewickelt und geknotet werden. Ziemlich eng übrigens, wodurch man automatisch gezwungen wird, eine sehr aufrechte Haltung einzunehmen.
Alleine das Untergewand ist schon relativ schwer, aber kein Vergleich zum eigentlich Kimono. Das Wort Kimono setzt sich übrigens aus den Verb "kiru" 着る-anziehen und "mono 物- Sache zusammen. Also eine Sache zum Anziehen. In meinen Augen eine ziemliche Untertreibung, denn ein Kimono ist ein richtiges Kunstwerk.
Der eigentliche Kimono war aus Seide und wunderschön gestaltet mit verschiedenen Blumenmotiven. Der Kimono wird dann um den Körper gewickelt und gefaltet um sich der individuellen Körperform anzupassen. Zum Schluss kommt der Obi, der Gürtel des Kimonos, der am Rücken kunstvoll drapiert wird.
Alleine ein Obi kann mehrere tausend Euro kosten, ein guter Kimono ist nach oben preislich offen, startet aber ungefähr bei 10.000 €. die Kimonos für Männer sind deutlich günstiger, allerdings auch weitaus weniger schön!




Rückenansichten
In den Obi wird man richtig eingewickelt. Man versucht einen möglich festen Stand einzunehmen, die Arme sind zur Seite gestreckt und dann wird der Gürtel um einen herum gelegt und fest gezogen. 
Der komplizierteste Part ist es den Obi auf dem Rücken zu drapieren. Es gibt viele verschieden Formen und das Endergebnis erinnert an Schmetterlinge oder Blüten.
Die Prozedur dauert etwa 35 min und bis alle 10 Mädchen fertig angezogen waren, hat es fast 3 1/2 h gedauert.
Aber fertig angezogen hat man sich unbeschreiblich schön und elegant gefühlt. Da der Kimono eng am Körper anliegt, kann man sich nur in kleinen Trippelschritten vorwärts bewegen und durch den Obi bleibt man die ganze Zeit in einer sehr aufrechten Körperhaltung. Wir alle haben uns wie japanische Prinzessinnen gefühlt!
Die Jungs haben schon ungeduldig auf uns gewartet, denn ihre Gewänder waren nicht so kompliziert, aber dafür auch nicht so schön wie unsere.
Draußen haben wir natürlich jede Menge Fotos gemacht und wurden außerdem für das nächste Jahrbuch der Universität fotografiert. Es war einfach märchenhaft. Wir mussten viel zu schnell wieder aus den wunderbaren Gwändern schlüpfen, ich hätte meinen Kimono am liebsten behalten, aber er ist wie gesagt schier unbezahlbar und ich bezweifle, dass ich ihn in Deutschland so oft tragen würde...
Einen Kimono auszuziehen ist übrigens nicht so schwer! Dadurch dass fast nichts geknotet wird, lässt sich alles relativ leicht wieder lösen. Man fühlt sich nur auf einmal so nackt, weil man sich schnell an das Gewicht des Stoffes gewöhnt. Und man fühlt sich deutlich weniger besonders wenn man wieder Jeans und Chucks trägt...
Aber es war einfach wunderbar, das erleben zu dürfen! Alleine zu sehen, was für ein Kunstwerk ein Kimono ist und mit zu erleben, wie er angelegt wird, war fantastisch! 
Und ich habe jetzt einen unglaublichen Respekt vor Frauen, die auch im Alltag Kimono tragen, weil es wirklich nicht leicht ist, sich damit zu bewegen. Durch die langen Ärmel und die eingeschränkte Beinfreiheit wird vieles schwieriger. Alleine Treppensteigen ist eine richtige Herausforderung!











Details meines Kimonos 
Aufräumen...
Freitag Abend haben wir dann endlich meinen Geburtstag und den einer anderen Freundin nachgefeiert, welche am Dienstag Geburtstag hatte.
An meinen Geburtstag selbst habe ich nicht wirklich gefeiert. Ich habe mit meiner Familie "reingeskyped" und bin am nächsten Morgen erst in die Uni und dann arbeiten gegangen. Immerhin durfte ich schon um sieben gehen, so dass ich gegen halb neun wieder zu Hause war, wo Julie und Annie mich überrascht haben und mit mir essen gegangen sind. Es war der erste Geburtstag, an dem ich nicht zu Hause war, das war auch eine ziemliche Umstellung und daran wurde mir auch bewusst, dass ich wirklich langsam erwachsen werde.
Freitag Abend sind wir nach Shibuya clubben gegangen und haben ein richtiges Birthday Special bekommen. Daphne und ich haben personalisierte Sektflaschen bekommen, Schokolade, Wunderkerzen, ein kleines Geschenk und der DJ hat uns alles liebe gewünscht. Es war witzig! Die Nächte in Shibuya sind immer ziemlich lang, da wir den ersten Zug um kurz vor fünf nach Hause zurücknehmen und dann erst gegen viertel nach sechs morgens im Bett sind. 
Happy birthday to Daphne and me <3
Champagner für die Mädels, die Jungs haben nichts gekriegt;-)

Samstag Nachmittag haben Julie, Annie und ich gleich mein Geburtstagsgeschenk eingelöst, ein Besuch im Butlers Cafe. Ein Butlers Café ist sozusagen der männliche Gegenpart zum Maid Café. Frauen kommen dorthin um sich wie eine Prinzessin zu fühlen und ich muss sagen, das Konzept geht auf.

Wir kamen in das Café und wurden mit den Worten "we have been waiting for you, Princesses" begrüßt. Dann wurden wir zu unserem Tisch geführt und mit der Hausordnung bekannt gemacht. Die Butler tragen alle einen Frack und sprechen einen immer mit "my princess, my wonderful princess oder my beautiful princess" an. Wenn man etwas benötigt läutet man eine kleine Glocke, woraufhin alle anwesend Butler mit "yes, my princess" antworten und dann kommt sofort einer zu deinem Tisch geeilt. Am Anfang fand ich das Ganze doch etwas befremdlich, aber es hat was!
Welcome Card

Die Butler bemühen sich sehr, Konversation mit ihren Gästen zu betreiben. Zu Beginn werden ein paar persönliche Informationen abgefragt, etwa woher man kommt, welche Sprachen man spricht, warum man das Butlers Café besucht und dann beschäftigen sich die Butler eingehend mit dir. Jeglicher Kontakt mit den Butlern außerhalb des Cafés ist übrigens strengstens verboten und man bekommt auch nicht mehr Informationen über sie als ihren Namen und das Heimatland.
Das Menü ist italienisch angehaucht und es gibt jede Menge leckeren Nachtisch. Dazu gibt es specials wie z.B. Cocktails die von der Farbe der Augen der Prinzessin inspiriert kreiert werden.
Wenn einem das Essen serviert wird gibt es gleich zwei "wonderful surprises". Der Unterteller ist mit Schokoladen Sauce beschrieben und man bekommt seine Tiara. Diese darf man dann den ganzen Aufenthalt über tragen.
Princess Time
Das Essen war sehr lecker, man muss sich nur daran gewöhnen so bedient zu werden. Der Tee wird einem bspw. immer nachgeschenkt, wenn man zur Toilette muss, wird man selbstverständlich eskortiert (Toilette heißt übrigens nicht restroom sondern powder room) und es wird einem schier jeder Wunsch von den Augen abgelesen.
Schließlich haben wir ein Foto mit unserem Lieblinsbutler-Rufus aus Hamburg gemacht, was jede dann mit nach Hause nehmen durfte. Auf der Rückseite des Fotos stand noch eine kleine Nachricht: "My lovely princess, I hope you enjoyed your stay! Thank you for this picture my lovely princess, Sarah! Your butler Rufus."

Bevor man geht wird einem die Tiara wird abgenommen, nein man nimmt sie nicht selbst ab, selbst das tun die Butler und dann wird man zum Prinzessinnen Aufzug begleitet, da unten schon die Prinzessinnen Kutsche wartet. Schön wär's gewesen! Es gab einen regelrechten Wolkenbruch als wir wieder auf der Straße standen.
Es war ein interessantes Erlebnis und ein sehr witziger Nachmittag, aber ich frage mich, was diese Männer dazu bewegt, in diesem Café zu arbeiten. Die Dialoge sind auswendig gelernt und es wird die ganze Zeit englisch gesprochen, d.h. die Butler versuchen Konversation mit Frauen zu betreiben die oft nur sehr wenig englisch sprechen. 
Aber es ist trotzdem toll, mal einen Nachmittag so verwöhnt zu werden!
Princess Pancake 
Butler Rufus

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